Gut und Böse in einer Person?

Ich hatte heute einen sehr merkwürdigen Gedankengang, der sich mit mir selbst, meinem Auftreten und meinem Sein beschäftigte. Vielleicht ist er auch gar nicht so seltsam, wie ich ihn selbst finde.

Ich ertappte mich heute dabei, wie ich gedanklich in einer Situation extrem garstig wurde. Ich habe nicht geäußert, was in dem Moment in mir vorging, aber ich hatte den ein oder anderen wirklich fiesen und gemeinen Gedanken.
An anderer Stelle hab ich mich um eine sehr gute Freundin gekümmert, die Kummer auf dem Herzen hatte und hab sie mit lustigen Zukunftsfantasien und ein paar kleinen Spinnereien abgelenkt. Das scheint mir gut gelungen zu sein, denn die Gute bedankte sich mehrfach (obwohl sowas für mich selbstverständlich ist) und meinte: „Du bist ein toller Mensch.“
Ich freue mich sehr darüber, dass mich jemand als einen tollen Menschen ansieht, doch derzeit frage ich mich: Hab ich das tatsächlich verdient?
Ich bin jemand, der für seine Freunde seine Hand ins Feuer legen und sein letztes Hemd geben würde. Jeder meiner wirklich guten Freunde ist mehr oder minder handverlesen und alle durch die Bank kennen mich sehr gut. Und trotz meiner Macken, Fehler und Unzulänglichkeiten nimmt mich jeder von ihnen so, wie ich bin. Darin erkenne ich, dass mich diese Menschen wirklich mögen.
Ich war eigentlich nie jemand, der sonst Menschen etwas Schlechtes gewünscht hat. Das tue ich auch heute nicht. Niemand verdient es, dass ihm Böses widerfährt.
Allerdings ertappe ich mich dabei, dass ich mich über die Missgeschicke von Menschen, die mir nicht nahe stehen oder die ich nicht mag, freue. Oder dass ich, was mir sonst auch eher selten passiert, schlecht über Menschen rede, über die ich mich unlängst geärgert habe.
Ich fühle mich nicht sonderlich gut oder schlecht dabei, aber das sind Seiten an mir, die ich lange lange Zeit verborgen hatte, die aber nun wieder zum Vorschein kommen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das gut oder schlecht finden soll. Aber nachdenklich macht mich das allemal…
Ich glaube einfach, dass mein Weg grade eine kleine Biegung macht, an die ich mich erstmal anpassen muss.
Category: Erlebnisse
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One Response
  1. Sylvia says:

    Nu, diese kleinen Schattenseiten gehören doch auch zu uns. 😉

    Du machst es schon ganz richtig, sie zu beobachten nämlich. Dann ziehen sie auch wieder weiter.

    Man muß ja nicht auf den Zug aufspringen und mitfahren.

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