„Liebes Dr. Sommer-Team…“

Steht das eigentlich irgendwo auf meiner Stirn?

Ich erlebe es immer wieder, dass mir Leute ungefragt (sic!) nach wenigen Stunden (sic!!) des Kennenlernens ihr gesamtes Leben mit allen Fehlschlägen rezitieren. In letzter Zeit wieder etwas verstärkt aufgetreten, ist aber schon ganz lange so.
In der Schule war ich schon der Kummerkasten für alle, egal ob Freund oder Feind. Jeder hat mir seine Probleme erzählt und mir berichtet, wo grad der Schuh drückt. Sei es der Schwarm, der schon seit Tagen nicht mehr rübergeschaut hat oder die verkorkste Latein-Arbeit (das konnte irgendwie keiner).
Heute sind die Probleme anderer Natur. Die Sorgen und Nöte drehen sich um verlorene Jobs, Existenzängste oder den psychischen Knacks, den die letzte (oder auch zusätzlich die vorhergegangene) Liebe verursacht hat.
Einerseits freu ich mich ja darüber, dass die Leute schon nach kurzer Zeit ein derartiges Vertrauen zu mir fassen. Andererseits frage ich mich, wann ich denen die Erlaubnis erteilt haben soll, mich mit dem Krempel zu belasten.
Mit einem solchen Wissen geht auch immer eine besondere Verantwortung einher: einerseits darf ich mit niemandem darüber reden, weil’s ja sehr private Dinge sind, die mir da anvertraut wurden, andererseits muss ich diese Dinge auch für mich verarbeiten und verpacken. Mancherlei Erzählung ist nämlich alles andere als leichte Kost.
Warum also gibt es Leute, die meinen, sie könnten mal allen Seelenmüll bei mir abladen?
Für meine Freunde tu ich das jederzeit und gerne. Die waren auch für mich da, als ich Hilfe brauchte. Aber warum tun das im Grunde wildfremde Menschen?
Kann mir das jemand erklären?
Ich bin da für jeden Ansatz echt dankbar, denn letzten Endes geht es dabei für mich auch um Selbstschutz.
Category: Erlebnisse
You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed.You can leave a response, or trackback from your own site.
2 Responses
  1. theomix says:

    Ich zum Beispiel hatte vor zig Jahren die Tendenz immer zustimmend zu nicken und "mhmm" zu summen. Bestätigende Signale. Ein bisschen Arbeiten an der Distanz hätte wohl geholfen.
    Zumindest kann ich mittlerweile deutlich Signale setzen, ein Gespräch zu beenden.

  2. Kenny says:

    Empfiehl ihnen doch einfach, einen Blog zu schreiben… 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.