Und etwas in mir zerbrach

Ich habe erwartet, dass es heute passiert. Ich war darauf vorbereitet, dass es heute passiert. Doch die Wucht, die mich traf, war zu hart, als dass ich mich jemals hätte darauf vorbereiten können.

Die Tatsache, dass meine Mutter nicht mehr da ist, ist nun nicht mehr nur im Kopf, sondern auch im Herzen angekommen.

Die Lücke, die sie hinterlässt, wird sich niemals schließen und es gibt vieles, was ich jetzt schon vermisse. Die Gewissheit, dass sie mich nie wieder am Telefon mit einem „Hallo Mausi“ begrüßen wird oder dass ich sie niemals wieder wegen irgendetwas fragen kann. Es tut weh. Und ich bin unendlich traurig.

Als ich sie heute das letzte Mal sah, brach ich sofort in Tränen aus. All das, was ich die ganze Zeit nicht spüren konnte, war plötzlich da. Ich saß lange einfach nur da und weinte. Etwas in mir ist zerbrochen und es wird nie wieder ganz werden. Mir bleibt nur, damit zu leben.

Ich war nie gut darin, Abschied zu nehmen mit der Gewissheit, die Person, von der ich mich veranschiede, so schnell nicht wieder zu sehen. Dieser Abschied ist jedoch schwerer als alle anderen zusammen. 

Mama, ich hoffe, dass es Dir dort, wo Du jetzt bist, gut geht. Ich hab Dich lieb!!

Abschied

Wenn die Schwalben heimwärts zieh’n,
Wenn die Rosen nicht mehr blühn,
Wenn der Nachtigall Gesang
Mit der Nachtigall verklang;
Fragt das Herz in bangem Schmerz:
Ob ich Euch wohl wiederseh‘? –
Scheiden, ach Scheiden thut weh! –

Wenn die Schwäne südwärts ziehn,
Dorthin, wo Orangen blüh’n,
Wenn das Abendroth versinkt,
Durch die grünen Wipfel blinkt;
Fragt das Herz in bangem Schmerz:
Ob ich Euch auch wiederseh‘?
Scheiden, ach Scheiden thut weh! –

Armes Herz, was klagest Du!
Ach Du gehst auch einst zur Ruh!
Was auf Erden, – muß vergeh’n;
Gibt es dort ein Wiedersehn?
Fragt das Herz im bangen Schmerz. –
Thut auch hier das Scheiden weh:
Glaub‘, daß ich Dich wiederseh.

~ Georg Karl Reginald Herloßsohn ~

Category: Erlebnisse, Poesie
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2 Responses
  1. Sylvia says:

    Herzliches Beileid meine Liebe! Ich wünsche dir ganz viel Kraft die nächsten Tage, Monate, Jahre.

  2. Thomas-Marius POHLERT says:

    Liebe Arienna,
    ich habe eben erst diesen Internetauftritt von Dir kennen gelernt. Die Gestaltung gefällt mir sehr gut, beinah hätte ich gesagt „typisch Arienna“.

    Traurigkeit hat so viele Gesichter… Wenn uns ein geliebter Mensch für immer verlässt, ist das immer eine ganz prägend Erfahrung. Mit meinem „Muttchen“ hatte ich das im Jan.2009 erfahren, also ist das jetzt 10 Jahre her… Aus diesem Anlass war ich kurz nach dem letzten Weihnachtsfest auf dem Friedhof, wo meine Eltern jetzt vereint sind.
    Direkt neben ihrem Grab waren etwa 2 Quadratmeter ganz frischer Mutterboden aufgetragen. Da ich damit aber nichts anzufangen wusste, frug ich einen de Friedhofsgärtner, der mir zum Grab folgte. Allerdings hatte der auch keinerlei Ahnung, was los war.
    Ich hatte im Stillen die Vermutung, dass mein Bruder Chris aus Frankfurt heimlich die Urne unseres 2012 verstorbenen ältesten Bruder aus Königswinter geholt und sie in unserem Familengrab hatte beisetzen lassen. Dem war aber nicht so… ( Anmerkung: Bis heute weiß ich von meiner Schwägerin nicht, dass Stephan gestorben und wo er beigesetzt ist. )

    Da der Friedhofsgärtner ebenfalls etwas konsterniert war, habe ich die Situation mit den Worten verlassen:“Na, vielleicht hat mein Muttchen noch mal rausgeguckt, um zu sehen, was so nach zehn Jahren los ist…
    Der Gärtner schaute mich an und fing ganz heftig an zu lachen. „Aus welcher Gegend sind Sie denn..?“ fragte er mich. „Ich bin in Hannover geboren, aber meine gesamte Familie stammt aus Sachsen,“ gab ich zur Antwort. „Na dann ist ja gut, stellte der Mann abschließend fest…

    Wir bleiben ein Leben lang mit unseren Toten verbunden, ob wir wollen oder nicht.
    Als ich diese kleine Begebenheit später meinem Bruder am Telefon erzählte, begann auch er herzlich zu lachen und meinte danach:“das hätte unserer „Mammsch“, wie er unsere Mutter immer nannte, auch gut gefallen!“

    Inzwischen waren wir beide gemeinsam am Grab und fast automatisch haben wir überlegt, wer und wie und wo wohl mal uns bestatten wird…

    LG Tomas

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